Totenkult und Geschichtsschreibung
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Totenkult und Geschichtsschreibung : Eine Konstellationsgeschichte zwischen Mittelalter und Moderne (Bern und Ulm)

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Vergangenes als solches ist tot, heißt es. Eine Geschichtsschreibung, die sich "in Totenhäusern herumtreibt", riskiere, dort ihren Geist aufzugeben. Sie müsse den Lebenden und nicht den Toten dienen. Hegels Warnung von 1830 und die daraus abgeleiteten Forderungen gehören zum semantischen Grundbestand der Moderne. Damals galt die Mahnung jedoch nicht dem Historismus. Sie richtete sich gegen eine überkommene Geschichtskultur, die mit einer Tradition verbunden wurde, die noch hinter Herodot und Thukydides zurückreichte. Diese hätte noch alles, "was flüchtig vorbeirauscht" Taten, Begebenheiten, Zustände mithilfe von Geschichten "im Tempel der Mnemosyne" abgelegt, um die Nachfahren zu belehren. Heute aber wisse man: Jede Zeit ist so eigen, dass sie nie von einer anderen lernen kann. Diese totenkultisch-memoriale Dimension der Historiographie, wie sie Hegel noch kannte, ist im 19. Jahrhundert vergessen worden. Sie wurde ersetzt durch eine differenzschaffende Geschichtsschreibung, die das Leben von der Last der toten Vergangenheit befreien soll. Die Furcht vor den Totenhäusern der Geschichte erinnert an die in der Aufklärung weit verbreitete Angst, lebendig begraben zu werden. Besteht also ein Zusammenhang zwischen der aufkommenden differenzlogischen Geschichtsschreibung und der Hygienepraxis der Friedhofsverlegungen in der Sattelzeit? Und weiter gefragt: Hatte nicht schon die Reformation die Toten entwertet und für einen Historisierungsschub gesorgt? Hatte nicht die hohe Konjunktur der Totenmemoria etwas mit der Entstehung der laikalen Historiographie im Spätmittelalter zu tun? Das sind die Fragen, denen Uwe Dörk nachgeht, um erstmals zu versuchen, die Konstellation zwischen Totenkult und Historiographie vom Mittelalter bis zur Moderne historisch auszuloten. Die Auseinandersetzung mit dem Tod erweist sich als Vexierbild der Geschichtswissenschaft und als erhellendes Material einer historischen Semantik.show more

Product details

  • Paperback | 620 pages
  • 156 x 233 x 45mm | 1,038g
  • Konstanz University Press
  • German
  • 1. Aufl.
  • 50 s/w Abb
  • 3862530485
  • 9783862530489